Kaiserreich und erster Weltkrieg

Nun sind wir wer… Triumphe und Katastrophen

Der Weg von 1871 bis 1918
Fragment des ehemaligen Germania-Denkmals auf dem Dresdner Altmarkt |
Foto: ubahnverleih unter CC0 1.0

Aus „Blut und Eisen“ sei das Deutsche Kaiserreich entstanden – sagte man damals. Tatsächlich brauchte es drei Kriege gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) sowie eine Menge innenpolitischer Diplomatie, um aus den zuletzt 35 Staaten des Deutschen Bundes ein von Preußen dominiertes „Ganzes“ zu machen. Damit erfüllten sich so manche Träume des deutschen Bürgertums von „Reiches Größe und Reiches Einheit“, die man ab 1800 gehegt hatte. Doch die Einheit wurde öfter beschworen als gelebt, denn regionale, lokale, eigenstaatliche und klassenspezifische Interessen verschwanden mit der Einigung nicht – im Gegenteil, so manche innere Differenz „der Deutschen“ nahm nach 1871 eher zu.

Die feierliche Begrüßung Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen Albert von Sachsen als Feldmarschall und Obercommandeur der Maasarmee an der Spitze der Sächsischen Truppen durch den Rath der Stadt Dresden. | Friedrich Wilhelm Heine

Umso wichtiger wurden Feiern, Gedenkrituale und Denkmäler, die die Reichseinheit und den Reichsgedanken beglaubigen und festigen sollten. Zentral waren der Mythos um „Hermann den Cherusker“, die Germanen, Karl den Großen, das „deutsche Mittelalter, „die Klassiker“ Goethe und Schiller – vor allem aber die Verehrung des „Reichsschmiedes“ und „Eisernen Kanzlers“ Otto von Bismarck. Der Stolz auf „deutsche Wissenschaft“, „deutsche Tugenden und den ökonomischen Erfolg „deutschen Fleißes“ traten hinzu. Deutschlands Erfolg aber rief andere auf den Plan, die – zu Recht – vorsichtig und skeptisch auf die politische und industrielle Großmacht inmitten Europas schauten, bei deren Bürgern das Selbstbewusstsein oftmals in Selbstüberhebung und die Abwertung alles „Fremden“ umschlug.

Der „Geist von Potsdam“ (Preußentum, Militarismus) ging mit der Macht der „Schlotbarone“ an Rhein, Ruhr, Saale und Elbe sowie dem Erfolg von „Kaufhauskönigen“ eine Symbiose ein, hinter der ein, auch außerhalb Deutschlands geschätzter, friedfertiger „Geist von Weimar“ (Weltbürgertum, Humanität, Bildung) zu verblassen drohte. Einst angeblich aus “Blut und Eisen“ entstanden, ging das Kaiserreich ab 1914 ganz real in Blut und Eisen unter, verlor gegen den „Erbfeind“ Frankreich und bezahlte sein Großmachtstreben mit Millionen Toten an den Fronten wie an der „Heimatfront“.